{"id":82,"date":"2019-12-20T14:31:09","date_gmt":"2019-12-20T13:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.motorradkultur.ch\/?p=82"},"modified":"2019-11-28T14:36:18","modified_gmt":"2019-11-28T13:36:18","slug":"rueckblende-toeff-faescht-des-motorsportclub-zueri","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.motorradkultur.ch\/index.php\/2019\/12\/20\/rueckblende-toeff-faescht-des-motorsportclub-zueri\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblende &#8211; T\u00f6ff-F\u00e4scht des Motorsportclub Z\u00fcri"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit Regenwetter am Sonntagmorgen schaffe ich es erst gegen 14 Uhr ans T\u00f6ff-F\u00e4scht. Ernst Greutert begr\u00fcsst mich begeistert wie einen alten Kumpel, obwohl ich weder BMW fahre noch je Mitglied beim &#171;Z\u00fcribiet&#187; war. Unter den wenigen Unentwegten die noch anwesend sind befindet sich auch Ernst H\u00e4usler aus Wipkingen. Er ist der &#171;CCM H\u00e4usler&#187; der jahrzehntelang britische T\u00f6ffs der Marken Armstrong, CCM und Velocette importierte. Sein D\u00e4ddel er\u00f6ffnete 1941, mitten in der Benzinrationierung,eine Werkstatt an der Breitensteinstrasse 67 in Z\u00fcrich-Wipkingen. Noch heute arbeitet Ernst t\u00e4glich in dieser Werkstatt in der sich CCMs, Armstrongs und Greeves den knappen Platz teilen. Hier ist auch D\u00e4ddel allgegenw\u00e4rtig &#8211; wo sollte seine Seele sonst sein &#8211; wenn nicht am Ort jahrelanger gemeinsamer Arbeit mit seinem Sohn Ernst.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Dem geneigten Leser empfehle ich den folgenden Artikel aus &#171;der arbeitsmarkt&#187;. Nachdruck ohne Genehmigung des Autors oder des Verlags.<\/p>\n\n\n\n<p>Pfeffer &#8211; 2013<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ernst H\u00e4usler<br class=\"\">Mein Tag als Motorradphilosoph<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Tag beginnt, sobald ich merke, dass ich noch lebe. Ist ja logisch. Ich richte mich mit einem Ruck auf, sitze dann im Bett und sp\u00fcre den Signalen meines K\u00f6rpers nach. Grunds\u00e4tzlich brauche ich nicht mehr viel Schlaf. Auch der Wecker hat bei mir ausgedient. Ich stehe in der Regel um sieben oder sieben Uhr dreissig auf. Mit meinen 75 Jahren brauche ich ein Anlaufprogramm, bis ich voll da bin &#8211; etwa dreissig bis sechzig Minuten. Als Erstes nehme ich das \u00fcbliche Rauschgift zu mir, n\u00e4mlich einen Kaffee mit Milch und Zucker und dann meine Blutdrucktabletten. Anschliessend schaue ich die Nachrichten im Fernsehen und lege dabei meine F\u00fcsse auf den Tisch. Ich habe das Privileg, mir Zeit nehmen zu k\u00f6nnen, und so sitze ich ein Weilchen einfach da und g\u00f6nne meinem K\u00f6rper einen Moment, um ohne Druck im Hier und Jetzt vollst\u00e4ndig anzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin der &#171;CCM-H\u00e4usler&#187;. Ich habe jahrzehntelang &#171;Clews Competition Motorcycles&#187; und Armstrong-Maschi-nen sowie Rotax-Motoren importiert und Rennmaschinen verkauft. Ich bin fr\u00fcher selber passioniert Motocross-Rennen gefahren. F\u00fcr diesen Sport braucht es nicht nur eine gute Kondition, sondern auch Interesse f\u00fcr die Motorentechnik. 1982 gr\u00fcndete ich den Viertakt-Club f\u00fcr die grossen und schweren Maschinen dieser Sportart, die mir erm\u00f6glichte, zahlreiche L\u00e4nder zu bereisen. Meine Liebe &#8211; Marlise &#8211; begleitete mich \u00fcberallhin. Marlise und ich lebten anfangs in wilder Ehe und waren in meiner Geburtsst\u00e4tte Z\u00fcrich-Wipkingen f\u00fcr unseren unkonventionellen Lebensstil bekannt, aber dennoch geachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Morgens gehe ich meistens zur Post. Auch wenn ich pensioniert bin, str\u00e4ubt sich alles in mir, wenn jemand mich als Pension\u00e4r bezeichnet. F\u00fcr mich bedeutet in Pension gehen: auf der Zielgeraden ins Grab steuern. Ich leere also t\u00e4glich mein Postfach und g\u00f6nne mir in einem nahegelegenen &#171;Kaff&#187; nochmals einen Kaffee mit einem Gipfeli und lese die Zeitung &#8211; klar, auch die Todesanzeigen. Oft denke ich \u00fcber mein Leben nach und komme zum Schluss, dass ich kein Schimmelpilz, kein Fliegenpilz, kein Fusspilz, sondern einfach nur ein Gl\u00fcckspilz bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Mittagessen lasse ich meistens aus. Der Konsumidiotie sowie banalen Sachzw\u00e4ngen darf ich gl\u00fccklicherweise entsagen. Zu viel B\u00fcrgerlichkeit und Unterordnung mochte ich noch nie. Ich war schon in der Sekundarschule ein &#171;Revoluzzer&#187;. Ich ging zum Beispiel &#8211; stolz wie ein Pfau &#8211; mit aufgekrempelten Jeans in die Schule, was zu unserer Zeit nicht erlaubt war. Die Schule \u00fcberzeugte mich wenig. So schmissen sie mich aus drei Sekundarschulen raus, und ich stach mit 16 Jahren in See. Die Hochseeschifffahrt war aber absolut kein Zuckerschlecken. Mirwurde jeden Tag schlecht, und ich musste von morgens bis abends Dreck vom Deck schrubben. Ich bin kein Angepasster. Schon mein Vater war ein Linker, und auch mein Herz schl\u00e4gt links. Vor allem die heutige Profitgier finde ich widerlich. F\u00fcr mich sind Abzocker alles Verbrecher. Ich bin gegen die Ausbeutung der Menschen durch Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag beginnt meine Zeit. Dann gehe ich in meine Werkstatt. Arbeit ist etwas Wunderbares. Arbeit umfasst Leistung gegen Entgelt in einem gesunden Verh\u00e4ltnis, daher arbeite auch ich nicht kostenlos. Meine Kunden sind allesamt Motocross-Insider sowie T\u00f6ffliebhaber und haben eine Rennmaschine oder zumindest einen Motor von mir gekauft. Sie sch\u00e4tzen meine langj\u00e4hrige Erfahrung und dass ich \u00fcber CCM-Spezialwerkzeug verf\u00fcge. Die Kundenprojekte sind stets Gemeinschaftsprojekte. Ich agiere als Coach und l\u00f6se Probleme. Wer Zusammenarbeit scheut, hat bloss Angst, dass ihm etwas weggenommen werden k\u00f6nnte. Er teilt daher sein Wissen nicht. Ich gebe mein Wissen gerne weiter und freue mich, zu sehen, wie ein anderer besser wird. Das gibt mir ein gutes Gef\u00fchl. Wenn wir gemeinsam die Maschine reinigen und demontieren, macht das einfach mehr Spass. Der Kunde wird zum Zeitzeugen der Technik von Motocross-Maschinen. Einzelne meiner Rennmaschinen sind immer noch im Einsatz. Ab und zu f\u00fchle ich mich dadurch wie Napoleon, denn mein Einfluss auf den Motocross-Sport ist auch heute noch erkennbar. Das ist toll.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend vertiefe ich mich nochmals in die Zeitung, oder ich schm\u00f6kere spontan in einem Buch aus meiner grossen Bibliothek. Meistens w\u00e4rmt mir meine Frau noch etwas auf, wenn ich hungrig bin. Abends drehe ich jeweils zwei Runden mit dem Hund. Schlafen gehe ich, wenn ich richtig m\u00fcde bin, was in der Regel gegen zwei Uhr nachts ist. Das ist die Gunst des Alters, ich kann mich ganz nach meinen Bed\u00fcrfnissen richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Ernst H\u00e4usler, 75, sprach Melinda Melcher<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"555\" src=\"https:\/\/www.motorradkultur.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/toefffaescht_2013_7_adlikon_I.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-83\" srcset=\"https:\/\/www.motorradkultur.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/toefffaescht_2013_7_adlikon_I.jpg 768w, https:\/\/www.motorradkultur.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/toefffaescht_2013_7_adlikon_I-300x217.jpg 300w, https:\/\/www.motorradkultur.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/toefffaescht_2013_7_adlikon_I-133x96.jpg 133w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Regenwetter am Sonntagmorgen schaffe ich es erst gegen 14 Uhr ans T\u00f6ff-F\u00e4scht. 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